Vorgestern, gleich zu Beginn der Tagesschau-Hauptausgabe, kam glp-Nationalrat Beat Flach ins Bild. Er war bei sich zu Hause. Man sah ihn, wie er etwas ungeschickt an einem Sturmgewehr 57 rumfummelte. Eine Off-Stimme kommentierte die Bildspur wie folgt:

«Ein begeisterter Sportschütze. Doch um sein Sturmgewehr 57 und sein Hobby hat Nationalrat Beat Flach keine Angst. Keine Angst hat er auch vor der neuen Waffenrichtlinie. Darum ist er Vorstandsmitglied im Komitee ‹für ein modernes Waffenrecht›, das sich heute erstmals der Öffentlichkeit vorstellte.»1

Hiernach übernahm der begeisterte Sportschütze, der keine Angst um sein Hobby hat, gleich selbst: «Schengen ist wahnsinnig wichtig für die Schweiz», verlautbarte er, «und es gibt keinen Grund, dass man Schengen jetzt riskiert, nur, weil man ein Formular ausfüllen muss. In einem Land, wo jede Kuh registriert ist und jedes Töffli eine Nummer haben muss, ääääh ääääh will man sich dagegen sträuben, dass man äh äh bei der Beschaffung eines neuen Sturmgewehres ein Formular ausfüllen muss.»

Mit anderen Worten: Im Gegensatz zu den über 125’000 Schiesssport- und Waffenrechtslaien, die das Referendum gegen die Gesetzesverschärfungen unterschrieben haben, weiss der begeisterte Sportschütze Beat Flach, der keine Angst um sein Hobby hat, dass wir mit einem Sturm im Wasserglas konfrontiert sind. Dass bei einem Ja am 19. Mai mitnichten sofort über 80% der im Schiesssport verwendeten Waffen verboten würden. Dass auf Verbotenes sehr wohl ein Rechtsanspruch bestehen kann und es darum auch keineswegs zu einem Paradigmenwechsel käme. Dass in der EU-Waffenrichtlinie nach Artikel 16 gleich Artikel 18 kommt und die Sache mit dem automatischen Verschärfungsmechanismus darum nichts als haltlose Anti-Schengen-Propaganda ist. Dies alles und bestimmt noch viel mehr weiss der begeisterte Sportschütze Beat Flach, der keine Angst um sein Hobby hat.

Etwas weiss der begeisterte Sportschütze Beat Flach, der keine Angst um sein Hobby hat, allerdings nicht. Nämlich, dass das sportliche Schiessen mit Ordonnanz-Langwaffen wie dem Stgw 57 nur auf einer einzigen, spezifischen Art von Schiessanlage trainiert wird: auf 300-Meter-Ständen, auf denen nur Personen üben und an Wettkämpfen teilnehmen können, die in der Vereins- und Verbandsregistration (VVA) des Schweizerischen Schiesssportverbandes (SSV) eingetragen sind.

Weil der begeisterte Sportschütze Beat Flach, der keine Angst um sein Hobby hat, dies nicht weiss, konnte er auch nicht ahnen, dass es für den SSV ein Kinderspiel sein würde, nachzuprüfen, mit welchem Masse an Begeisterung er sein Hobby, um das er keine Angst hat, wirklich ausübt. Und weil er dies nicht ahnen konnte, war ihm halt auch nicht klar, dass die Referendumsführer im Handumdrehen Kenntnis davon haben würden, dass er, der begeisterte Sportschütze Beat Flach, der keine Angst um sein Hobby hat,

  • in der VVA nicht als Mitglied eines Vereins, nicht als «Aktiv mit Lizenz» und auch nicht als «Aktiv ohne Lizenz» registriert ist und
  • in seiner Tätigkeit als begeisterter Sportschütze, der keine Angst um sein Hobby hat, in den letzten zehn Jahren exakt null ausserdienstliche Obligatorische und exakt null Feldschiessen absolviert hat,

dass er, der begeisterte Sportschütze Beat Flach, der keine Angst um sein Hobby hat, also gar kein Schütze ist, sondern bloss ein dummdreister Entwaffnungszelot, der sich bei der Verwirklichung seiner politischen Agenda nicht von Werten wie Ehrlich- oder Aufrichtigkeit behindern lässt.

Und wer nun meint, diese Qualifizierung sei trotz allem ein wenig zu hart, dem dürfen wir versichern: Sie ist es nicht. 2011 weibelte Flach – Seite an Seite mit Galladé – für die linksgrüne Entwaffnungsinitiative. Seine Masche? Er lud die «Schweizer Illustrierte» zu sich nach Hause ein. Liess sich von ihr fotografieren. Das 57er? Natürlich prominent im Vordergrund. «Ab und zu gehe ich schiessen», gab er – von seinem Hobby, um das er keine Angst hat, offenbar noch ein bisschen weniger begeistert als heute – zum Besten, «aber ich halte die Initiative trotzdem für vernünftig.»2

Über Flach ist alles gesagt. Über seine Partei hingegen nur fast alles. Immerhin ist ja auch das versprenge Offizierstrüppchen, das für die Übernahme der EU-Waffenrichtlinie militiert, in glp-Hand. Vielleicht lohnte es sich auch da, mal etwas genauer hinzuschauen…


1 Vgl. SRF Tagesschau, Hauptausgabe vom 03.03.2019. [Stand: 04.03.2019]


2 Vgl. Schweizer Illustrierte 6/2011, S. 37.

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